Karin Renold

Gipsabgüsse als „originale“ Repliken im Museum: von der Form zur Materie

Anhand von Repliken von kleinen Süssgebäcken („Änisbrötli“) in der Sammlung des Museums der Kulturen Basel wird aufgezeigt, wie sich die Wahrnehmung dieser Abgüsse veränderte. Die Abgüsse wurden von (negativ geschnitzten) Holzmodeln gefertigt, die den Gebäcken vor dem Backen aufgedrückt werden. Die Gipsabgüsse wurden als „Motive“, als (materialisierte) Form in die Sammlung aufgenommen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wandelten sie sich zur (geformten) Materie. Der Referenzpunkt der Objekte verschiebt sich von der Welt ausserhalb des Museums zum Objekt „an sich“, respektive zu dessen konservierungstechnisch relevanten Eigenschaften. Damit verknüpft ist ein Wandel vom Original zur Kopie. Die Gipsabgüsse kamen als „Originale“ in die Sammlung. Spätestens mit der Digitalisierung der Bestände Ende des 20. Jahrhunderts werden den (abgewerteten) Abgüssen wahrnehmungstechnisch formgebende Model zur Seite gestellt. Seit dann ist kaum noch vorstellbar, dass eine Kopie alleine bestehen kann.

Erschienen in: traverse, 2015/2, S. 170.

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