Andreas Hilger

Nationale Entwicklung, sozialistischer Internationalismus und bilaterale Untiefen. Der sowjetisch-indische Studierendenaustausch in den 1950er- und 60er-Jahren

Die post-stalinistische Sowjetunion setzte auch auf die Wissenschaft, um ihre Ordnungs- und Wertvorstellungen international zu verbreiten. Dem Austausch von Studierenden als zukünftigen Eliten kam hierbei besondere Bedeutung zu. Indischen Studierenden sollte in der UdSSR ideologisches Rüstzeug mitvermittelt werden. Von sowjetischen Studierenden in Indien wurde erwartet, dass sie Kenntnisse erwarben, die sie zu einem aktiven Beitrag zu den sowjetischen internationalen Ambitionen befähigten. Zugleich sollten sie vor Ort als Botschafter des Sozialismus auftreten. In der Praxis erwiesen sich die Vorhaben als sperrig. In der UdSSR gelang keine tiefe Prägung indischer Studierender, zumal das indische Heimatland Vorkehrungen gegen eine sozialistische Indoktrination traf. Die studentischen Beiträge zur sowjetischen Imagepflege in Indien blieben ebenfalls begrenzt. Die offiziell propagierte Völkerfreundschaft erfuhr in direkten Kontakten eine eigene Interpretation.

Erschienen in: traverse, 2018/1, S. 122.

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