traverse 2022/3
Saisonarbeiter:innen in der Schweiz. Arbeit, Migration, Fremdenfeindlichkeit und Solidarität

Das 1931 eingeführte Saisonnierstatut war Teil der Schweizer Migrationspolitik und zielte darauf ab, der Wirtschaft eine flexible Handhabung von Arbeitskräften zu bieten sowie den Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung im Land zu begrenzen. Aus historischer Perspektive wirft die Problematik der Saisonarbeiter: innen ein Schlaglicht auf prekäre Arbeitsverhältnisse, aber auch auf Migrationsbewegungen und unterschiedliche Reaktionen darauf: von der Fremdenfeindlichkeit der «Schwarzenbach-Jahre» bis zu Solidaritätsbekundungen mit den ansässigen Arbeitnehmer:innen italienischer, spanischer, portugiesischer oder jugoslawischer Herkunft in der Schweiz. Saisonarbeiter:innen wurden auf ihre Rolle als ausbeutbare Arbeitskräfte reduziert, die dem schwankenden Bedarf der Wirtschaft unterworfen waren. Sie waren Gegenstand diskriminierender und brutaler Verwaltungsmassnahmen und erfuhren äusserst harte Arbeitsbedingungen sowie in vielerlei Hinsicht unmenschliche Lebensumstände. Oft wurden sie in einfachen Baracken untergebracht. Schlecht bezahlt, kaum vor Arbeitsunfällen geschützt und stets die drohende Ausweisung vor Augen, hatten Saisonarbeiter:innen auch kein Recht auf Familiennachzug und mussten ihre Kinder «im Schrank» verstecken. Das Labor für prekäre Arbeit, dessen Teil sie waren, bestimmte ihr Dasein bis ins Innerste. Trotz der offiziellen Abschaffung des Saisonnierstatuts im Jahr 2002 hat die Problematik nichts von ihrer Aktualität verloren.


Erscheinungsdatum: 5. Dezember 2022