{"id":9166,"date":"2024-11-29T07:40:00","date_gmt":"2024-11-29T07:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/revue-traverse.ch\/?p=9166"},"modified":"2025-10-29T09:44:54","modified_gmt":"2025-10-29T09:44:54","slug":"fr-interview-metoohistory","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/revue-traverse.ch\/fr\/fr-interview-metoohistory\/","title":{"rendered":"Interview mit den Initiatorinnen von #metoohistory"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Druckversion ist erschienen in: <a href=\"https:\/\/revue-traverse.ch\/ausgabe\/2024-2\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/revue-traverse.ch\/ausgaben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">traverse 2\/2024<\/a><\/p>\n\n<p>Matthias Ruoss und Isabelle Sch\u00fcrch haben f\u00fcr <em>traverse<\/em> mit Prof. Dr. Julia Herzberg (Leipzig), Dr. Marie Huber (Marburg), Kathrin Mei\u00dfner (Berlin), Janine Funke (Potsdam) und Dr. Claudia Roesch (Konstanz) gesprochen. Sie haben gemeinsam die Initiative #metoohistory gestartet, die Machtmissbrauch und sexuelle Bel\u00e4stigungen an Universit\u00e4ten bek\u00e4mpft.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-43e4a68558e78238acf101acd58f5f68\"><strong><em>traverse<\/em><\/strong>:\u00a0Wir alle sind in unserem Berufsalltag mit Formen der Macht konfrontiert. Auch von Machtmissbrauch sind viele betroffen, oftmals bereits seit dem Studium, doch politisiert werden die Verh\u00e4ltnisse sehr selten. W\u00e4hrend die arbeitsrechtlichen Missst\u00e4nde an Universit\u00e4ten in den letzten Jahren immer wieder angeklagt wurden, zieht Machtmissbrauch, abgesehen von Einzelf\u00e4llen, kaum nachhaltige Kritik auf sich. Was hat Sie dazu veranlasst, im Sommer 2023 die Initiative zu ergreifen und an die \u00d6ffentlichkeit zu gehen?<\/p>\n\n<p><strong>Janine Funke<\/strong>: Wir haben uns als Gruppe im August 2023 formiert. Die Initiative steht in unmittelbarem Zusammenhang mit einem Fall an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin. Der Fall wurde in verschiedenen Zeitungen thematisiert, auch unser Mitglied Claudia Roesch hat ein Interview im Tagesspiegel gegeben.<sup data-fn=\"6854b783-84f7-428e-b49d-0d5c1fbed924\" class=\"fn\"><a href=\"#6854b783-84f7-428e-b49d-0d5c1fbed924\" id=\"6854b783-84f7-428e-b49d-0d5c1fbed924-link\">1<\/a><\/sup><\/p>\n\n<p>Anlass f\u00fcr das Interview war ein Screenshot auf \u00abX\u00bb (ehemals Twitter). Dieser zeigte das offizielle Profil eines langj\u00e4hrigen Mitarbeiters und Dozenten mit dem Vermerk, dass \u00abStudentinnen\u00bb nur in Begleitung der Frauenbeauftragten in dessen Sprechstunde gehen sollten. Daraufhin haben sich zahlreiche Betroffene ge\u00e4ussert, die \u00fcbergriffiges Verhalten erfahren hatten, obwohl der Name des Dozenten nicht \u00f6ffentlich genannt worden war. Die mediale \u00d6ffentlichkeit und die zahlreichen \u00c4usserungen auf X haben so zu einem Momentum gef\u00fchrt, das die Aufmerksamkeit f\u00fcr sexuelle \u00dcbergriffe im universit\u00e4ren Kontext gesteigert hat. Das war Mitte Juli 2023. Uns allen war unabh\u00e4ngig voneinander klar, dass die nun geschaffene Aufmerksamkeit genutzt werden muss, zumal der Fall weit davon entfernt war, ein Einzelfall zu sein. Am Ende war es Marie Huber, die die Initiative ergriffen und einen Aufruf gestartet hat. So haben wir uns zusammengefunden und angefangen, uns auszutauschen, uns zu vernetzen und uns zu \u00fcberlegen, wie wir aktiv werden k\u00f6nnen. Zuerst haben wir einen X-Account gegr\u00fcndet und den Hashtag #metoohistory ins Leben gerufen. Das war der Start der Initiative.<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-0fdeb311113f9b3fa07b9b1d90bc87fa\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Wer Missbrauch anklagt, braucht viel Mut und ist auf Solidarit\u00e4ten angewiesen. Wie sind Sie vorgegangen? Wie haben Sie sich zusammengefunden? Gab es auch Vorbehalte oder gar Widerst\u00e4nde?<\/p>\n\n<p><strong>Janine Funke<\/strong>: Also zuerst zu den Vorbehalten. Uns war von Anfang an klar, dass wir darauf achten m\u00fcssen, dass wir uns rechtlich auf der sicheren Seite befinden. Die Frage war: Was k\u00f6nnen wir tun, ohne uns selbst zu gef\u00e4hrden? Einige von uns haben sich in der \u00d6ffentlichkeit ge\u00e4ussert, also auch mit Klarnamen und universit\u00e4rer Affiliation. Das machte uns nat\u00fcrlich pers\u00f6nlich angreifbar. Aber wir sind \u00fcberzeugt, dass eine mediale \u00d6ffentlichkeit die Voraussetzung ist, dass auch Betroffene den Mut finden, sich zu \u00e4ussern.\u00a0<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-05be1cd7753b1f0629767897324bcdfa\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>: Es gibt also rechtliche Bedenken. Wie sieht es aber aus mit Problemen, die direkt mit Macht und Machtmissbrauch verbunden sind, die unmittelbar mit dieser Positionierung in der \u00d6ffentlichkeit zu tun haben?<\/p>\n\n<p><strong>Janine Funke<\/strong>: Das betrifft uns alle anders, weil wir uns tats\u00e4chlich alle in unterschiedlichen akademischen Positionen befinden. Ich bin Wissenschaftsjournalistin. Das heisst, ich bin nicht mehr angebunden an eine Hochschule und ich bin nicht mehr abh\u00e4ngig von den dortigen Machtstrukturen. Im Hinterkopf bleibt aber schon die Frage, ob sich mein Engagement f\u00fcr #metoohistory auf meine Auftragslage auswirken k\u00f6nnte. Uns ist es deshalb wichtig, uns abzusprechen und immer wieder neu zu entscheiden, wie wir auftreten.<\/p>\n\n<p><strong>Marie Huber<\/strong>: Ich hingegen bin als Postdoc mit einer befristeten Stelle noch voll innerhalb des Wissenschaftssystems. Es ist zwar nicht so, dass aus dem wissenschaftlichen System jemand an mich herangetreten w\u00e4re und gesagt h\u00e4tte: \u00abDu, pass mal lieber auf!\u00bb. Dennoch gab es abweisende Reaktionen aus dem Kolleg:innenkreis. Einige, von denen ich wusste, dass sie betroffen sind,\u00a0haben sehr entschieden gesagt, dass sie sich auf keinen Fall \u00e4ussern wollen. Die Begr\u00fcndungen waren unterschiedlich. Manche haben als Grund tats\u00e4chlich Angst angef\u00fchrt und klar gesagt, dass sie sich nicht trauen w\u00fcrden, mit ihren pers\u00f6nlichen Erfahrungen an die \u00d6ffentlichkeit zu gehen. Andere wiederum haben gesagt, dass sie (endlich) ihre Ruhe haben m\u00f6chten. Es hat mich schon erstaunt, wer still geblieben ist und wer nicht. Zu denken sollte uns jedoch geben, dass einige auch Zweifel \u00e4usserten an dem, was sie selbst gesehen, geh\u00f6rt oder erlebt haben. Das zeigt die grosse Unsicherheit, der Betroffene ausgesetzt sind.\u00a0<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-d47e1afcc37dfa99ac5068914ba32c7c\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>: Geschichtswissenschaftliches Arbeiten findet nicht im luftleeren Raum statt. Viele von uns Historiker:innen sind an Hochschulen t\u00e4tig, und die sogenannte akademische Laufbahn schickt uns immer wieder auch an andere Institute. Die meisten Institute sind von vermachteten Strukturen gepr\u00e4gt, die Missbrauch in einem hierarchisch konzipierten Arbeitsumfeld f\u00f6rdern: das Lehrstuhlsystem, die Betreuungs- und F\u00f6rderungsstruktur mit sogenannten Doktorv\u00e4tern und -m\u00fcttern (auf der einen und dem sogenannten Nachwuchs auf der anderen Seite), die befristeten Anstellungen in Projekten und Assistenzen. Wie beurteilen Sie die aktuelle universit\u00e4re Arbeitskultur?<\/p>\n\n<p><strong>Claudia Roesch<\/strong>: Sie sprechen mit den Hierarchien und Abh\u00e4ngigkeiten wichtige Probleme an, die Machtmissbrauch \u2013 sexualisierten Machtmissbrauch, aber auch F\u00e4lle von Mobbing und Ausgrenzung \u2013 beg\u00fcnstigen. Die Tatsache, dass der Vorgesetzte gleichzeitig der Betreuer ist, oder dass die Person, die die Noten f\u00fcr Abschlussarbeiten vergibt, gleichzeitig die Person ist, die auch entscheidet, ob ein Arbeitsvertrag verl\u00e4ngert wird, ist ein Problem. Wir haben es mit einem System zu tun, in dem es Positionen gibt, die mit sehr viel Macht ausgestattet sind. Im Fall des langj\u00e4hrigen Dozenten an der Humboldt-Universit\u00e4t ging es um sexuelle Bel\u00e4stigung. Seit den ersten Vorf\u00e4llen sind gut 25 Jahre vergangen. Das heisst, das Problem war seit Langem bekannt. Sowohl vom Fachbereich als auch von der Universit\u00e4t wurde aber nur wenig unternommen. Diese Passivit\u00e4t ist Teil des Problems. Nur zu oft zeigt sich, dass \u2013 wie in diesem Fall \u2013 der T\u00e4ter zwar nicht namentlich genannt wird, aber im Grunde jede:r genau weiss, um wen es geht. Personen haben einen bestimmten Ruf. Ich zum Beispiel habe im Zuge der #metoohistory-Initiative auch die Warnung erhalten, ich solle bei einer anderen beschuldigten Person vorsichtig sein, die Person nicht vorverurteilen, man k\u00f6nnte der Karriere der beschuldigten Person schaden usw. Das ist dann eher T\u00e4terschutz als Opferschutz. Die Gleichstellungsbeauftragten an universit\u00e4ren Fachbereichen sind oft selbst Mitarbeiter:innen in den betroffenen Instituten und \u00fcbernehmen die Aufgabe im Zuge der akademischen Selbstverwaltung. Sie befinden sich teilweise in den gleichen Machtstrukturen und Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnissen wie die Betroffenen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr Kolleg:innen an ausseruniversit\u00e4ren Forschungsinstitutionen \u2013 auch dort gibt es teilweise die gleichen Machtstrukturen und auch dort stehen Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragte in einem Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis zu ihren Vorgesetzten.<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-9ba821290ea666f64e981a1d0ecfc767\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Kommen wir zu den universit\u00e4ren, aber vor allem auch fachwissenschaftlichen Problemstellen, die Sie identifizieren k\u00f6nnen. Haben die Geschichtswissenschaften\u00a0als Fach ein spezifisches Problem mit Machtmissbrauch, bei dem wir zu oft wegsehen und -h\u00f6ren?<\/p>\n\n<p><strong>Claudia Roesch<\/strong>: Das ist eine Frage, die wir uns nat\u00fcrlich auch immer wieder stellen. Gerade die Geschichtswissenschaften sind ein Fach, das sich sehr stark mit Macht und Gewaltaus\u00fcbung und mit Formen von Marginalisierung besch\u00e4ftigt. Selbstverst\u00e4ndlich will ich nicht behaupten, dass Historiker:innen blind sind f\u00fcr die Strukturen im eigenen Feld. Die intellektuellen Voraussetzungen, diese zu erkennen, w\u00e4ren doch eigentlich gegeben. Dies war mitunter einer der Gr\u00fcnde, warum es uns wichtig war, #metoohistory auf dem Deutschen Historikertag 2023 in Leipzig einzubringen (mehr dazu unten, Anmerkung der Redaktion).<\/p>\n\n<p><strong>Kathrin Mei\u00dfner<\/strong>: Ich glaube, wir m\u00fcssen die Frage anders stellen und Machtmissbrauch als strukturelles Problem betrachten, und zwar generell in den Geschichtswissenschaften. Genau das zeigen die F\u00e4lle, die publik geworden sind und jetzt diskutiert werden. Es betrifft zwar die Geschichtswissenschaften, aber eben auch andere Disziplinen und das universit\u00e4re System im Allgemeinen. F\u00fcr die Geschichtswissenschaften muss man auf jeden Fall zu bedenken geben, dass Habilitation, monografische Publikationskultur und verbreitete Individualforschung sicherlich nicht f\u00f6rderlich sind, da es professorale\u00a0Lehrstuhlstrukturen und Karriereausrichtung zementiert. Ein weiterer Aspekt, den es aber auch in anderen Fachkulturen gibt, sind die Teilf\u00e4cher innerhalb der Geschichtswissenschaften. Diese erlauben es einem begrenzten Personenkreis, Hierarchien aufzubauen und Macht anzuh\u00e4ufen. Insgesamt kommt also sehr viel zusammen, was die Wahrscheinlichkeit von (sexualisiertem) Machtmissbrauch erh\u00f6ht. Deshalb ist es uns wichtig, eine gr\u00f6ssere Transparenz und Sichtbarkeit f\u00fcr strukturelle Probleme zu schaffen.\u00a0<\/p>\n\n<p><strong>Marie Huber<\/strong>: Ich m\u00f6chte hier die Frage nochmals aufwerfen, von der ich mir w\u00fcnschen w\u00fcrde, dass sie mehr im Vordergrund st\u00fcnde: Warum melden sich gerade Historiker:innen, die sich eigentlich aus fachlichem Interesse berufen f\u00fchlen sollten, so wenig zu Wort, wenn es um Machtmissbrauch in der eigenen Disziplin geht? Dass wir uns als wissenschaftliche Disziplin mit strukturellen Problemen besch\u00e4ftigen, ist das eine. Etwas anderes ist es, nach dem Rahmen unserer Fachkulturen zu fragen: Welche Gepflogenheiten haben wir? Wie arbeiten wir eigentlich? Wie gestalten sich bei uns Abschlussfeiern, Kongresse und so weiter? Wo entstehen R\u00e4ume f\u00fcr Machtmissbrauch? Solche Fragen m\u00fcssten im Hinblick auf Pr\u00e4vention genauer angegangen werden.<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-a0a4b3e9f1d94a698b7a98a20f8188f5\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Blicken wir auf die Zahlen von Studierenden, Mittelbauangeh\u00f6rigen und Professuren, zeigt sich nach wie vor eine klare Tendenz: W\u00e4hrend das Verh\u00e4ltnis der Geschlechter im Studium und in der sogenannten Nachwuchsf\u00f6rderung ausgeglichener geworden ist, sind Lehrst\u00fchle f\u00fcr Geschichte \u00fcberproportional m\u00e4nnlich besetzt. Ist die Disziplin besonders stark patriarchal organisiert und wenn ja, warum?<\/p>\n\n<p><strong>Julia Herzberg<\/strong>: Diese Schere haben wir auch in anderen F\u00e4chern. Ich glaube nicht, dass Geschichtswissenschaften besonders patriarchal organisiert sind, aber sie sind es. Das liegt daran, dass die Arbeitsverh\u00e4ltnisse in der Wissenschaft prek\u00e4r sind und es sehr lange dauert, bis man, wenn \u00fcberhaupt, auf eine unbefristete Stelle kommt. Das k\u00f6nnen sich Historikerinnen mit Familien- und Care-Verpflichtungen kaum leisten. Dass diese Arbeiten mehrheitlich immer noch von Frauen geleistet werden, ist belegt. Das heisst wiederum auch, dass Frauen h\u00e4ufiger aus der Wissenschaft aussteigen als M\u00e4nner.\u00a0<\/p>\n\n<p><strong>Kathrin Mei\u00dfner<\/strong>: Neben den prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen m\u00f6chte ich darauf hinweisen, dass die Publikationskultur den Gender Gap vergr\u00f6ssert. Die Art und Weise, wie in der Geschichte publiziert wird \u2013 n\u00e4mlich in B\u00fcchern oder Sammelb\u00e4nden, meist in Einzelautor:innenschaft und stark anh\u00e4ngig von Verlagsh\u00e4usern \u2013, verlangt sowohl ein hohes Mass an Verf\u00fcgbarkeit und zeitlichen Ressourcen als auch an Netzwerken.<\/p>\n\n<p><strong>Marie Huber<\/strong>: Auch ich erlebe die Geschichte als ein Fach, in dem vorausgesetzt wird, dass man zeitlich verf\u00fcgbar ist, was der Lebensrealit\u00e4t von Frauen widerspricht. B\u00fccher schreiben ist das eine. Das andere ist die Mobilit\u00e4t. Damit meine ich nicht nur die Konferenzen, sondern auch Auslandsaufenthalte, die st\u00e4ndigen Stellenwechsel vor und nach dem Doktorat. Wir wechseln zwei-, drei-, viermal die Stelle, was in der Regel mit einem Umzug verbunden ist. Dazu kommen Archiv- und Forschungsaufenthalte. Wir arbeiten in einem disziplin\u00e4ren Umfeld, das die Lebensrealit\u00e4ten von Frauen weitgehend ausblendet, und das in einem gr\u00f6sseren Mass, als ich das in anderen F\u00e4chern wahrnehme. Das muss sich \u00e4ndern.<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-b4432a1c23741bb3cdb9e1e75a7164eb\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Kommen wir auf die Anliegen der Initiative zu sprechen. Wie Ihre Initiative deutlich macht, gibt es eine Vielzahl von unterschiedlich gelagerten F\u00e4llen von Machtmissbrauch an Universit\u00e4ten, auch in der Schweiz. Wo setzen sie mit der Initiative den Schwerpunkt?<\/p>\n\n<p><strong>Marie Huber<\/strong>: Wir wollen mit unserer Initiative eine Plattform schaffen. Nur so ist es m\u00f6glich, dass sich Akteure aus ganz unterschiedlichen Karrierestufen (Studierende, Doktorierende, Professor:innen, Verb\u00e4nde und Institutionen) vernetzen k\u00f6nnen und miteinander ins Gespr\u00e4ch kommen. Das ist ein Kernanliegen unserer Initiative. Wir m\u00f6chten aber auch festhalten, dass es eine Initiative ist, die aus einer akuten Situation mit hoher Dringlichkeit entstanden ist. Erst jetzt kommen wir in die Konstitutionsphase. Im Gespr\u00e4ch ist ja bereits deutlich geworden, dass unsere Disziplin sehr heterogen ist. Das trifft auch auf die Vernetzungen zu. Die Zusammenf\u00fchrung unterschiedlicher Netzwerke ist ein grosser Erfolg unserer Initiative. Gleichzeitig haben wir auch gemerkt, dass es wichtig ist, Wissen \u00fcber Initiativen aus anderen Disziplinen weiterzugeben. Wir schaffen also eine dringend notwendige Schnittstelle, die bislang in der Form gefehlt hat. Und schliesslich ist uns die Sichtbarkeit des Themas sehr wichtig. \u00dcber sexualisierten Missbrauch soll und muss gesprochen werden. Wir wollen aber nicht nur, dass mehr geredet wird, sondern dass transparenter, vertrauensvoller und respektvoller \u00fcber das Thema gesprochen wird. Wir wollen eine neue Kommunikationskultur etablieren. Und nicht zuletzt wollen wir Entscheidungstr\u00e4ger:innen zum Handeln anregen und aufr\u00fctteln.<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-dfde316ccaa2f1ad25b3cb75464f7188\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Sie haben vor allem die Funktion und den Zweck der Initiative ausgef\u00fchrt. Wenn wir aber die Chronologie im Auge behalten, stellt sich eine programmatische Anschlussfrage: Geht es der Initiative spezifisch um sexualisierte Gewalt oder ganz allgemein um die Thematisierung von Machtmissbrauch?<\/p>\n\n<p><strong>Marie Huber<\/strong>: Diese Frage nach der Unterscheidung ist durchaus berechtigt. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass sich diese Trennung nicht so scharf aufrechterhalten l\u00e4sst. Ich denke, dass es wichtige Gr\u00fcnde gibt, warum verschiedene Arten des Machtmissbrauchs unterschieden werden. Das ist aber nicht unsere Aufgabe. Mit unserer Initiative geht es uns darum, eine \u00d6ffentlichkeit herzustellen und Ansprechpartnerin f\u00fcr betroffene Menschen zu sein. Menschen, die sich von #metoohistory angesprochen f\u00fchlen, w\u00fcrde ich nicht vorschreiben wollen, in welchen F\u00e4llen sie sich melden sollen. Denn es zeigt sich oft, dass sich Formen von \u00dcbergriffen und Machtmissbrauch \u00fcberlappen oder auf eine Art und Weise zusammenh\u00e4ngen, die sich erst erschliesst, wenn man die F\u00e4lle genauer kennt und versteht.\u00a0<\/p>\n\n<p><strong>Kathrin Mei\u00dfner<\/strong>: Ich m\u00f6chte zudem darauf hinweisen, dass wir es oft mit verschiedenen Eskalationsstufen zu tun haben. Sexualisierte Gewalt ist die Form, die am meisten als \u00fcbergriffiges und nicht mehr ignorierbares Fehlverhalten wahrgenommen wird. Das Bewusstsein f\u00fcr andere Bereiche von Machtmissbrauch ist hingegen weniger ausgepr\u00e4gt. Selbst bei F\u00e4llen von sexualisierter Gewalt merkt man, dass es zuerst zu eklatanten \u00dcberschreitungen kommen muss, damit etwas passiert. Grunds\u00e4tzlich fehlt es an fachkultureller wie gesellschaftlicher Sensibilisierung, besonders f\u00fcr Dimensionen und Praktiken von Machtmissbrauch.<\/p>\n\n<p><strong>Julia Herzberg<\/strong>: Machtmissbrauch wird in den Diskussionen h\u00e4ufig auf sexualisierte Gewalt und \u00dcbergriffe reduziert. Das ist aber leider auch eine M\u00f6glichkeit, um Meldungen von Machtmissbrauch an Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte auszulagern. Damit wird es zu einem \u00abFrauenthema\u00bb. In dieser Logik wird aber Machtmissbrauch marginalisiert, was ich als sehr problematisch sehe. Deshalb ist es uns wichtig, von einem komplexen Begriff von Machtmissbrauch auszugehen.<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-700ce424458d7c39a2f8e07f9ebb877a\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Inwiefern verstehen Sie die Initiative auch als Kritik an den universit\u00e4ren Gleichstellungspolitiken oder den mangelhaften Bem\u00fchungen, sexualisierte Gewalt oder Machtmissbrauch \u00abin-house\u00bb zu bek\u00e4mpfen? Oder anders gefragt: Richtet sich die Initiative vor allem an Universit\u00e4ten und Hochschulen oder auch an eine breitere gesellschaftliche \u00d6ffentlichkeit?<\/p>\n\n<p><strong>Kathrin Mei\u00dfner<\/strong>: In dieser Frage m\u00f6chten wir uns noch nicht definitiv festlegen. Wir sind, das m\u00f6chten wir noch einmal festhalten, erst in der Konstituierungsphase. Klar ist, dass es sich auf jeden Fall um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt. Ich pers\u00f6nlich bin hochschulpolitisch aktiv und es ist mir wichtig, dass Leute in F\u00fchrungspositionen, sprich Hochschulleitungen und Lehrstuhlinhaber:innen, eine Verantwortung haben, aus der sich eine F\u00fcrsorgepflicht ableiten l\u00e4sst. Es ist daher zu leicht, mit dem Finger auf bestimmte Einzelpersonen zu zeigen. Man muss immer auch die systemischen Probleme im Blick haben und die Gesamtstruktur adressieren.<\/p>\n\n<p><strong>Marie Huber<\/strong>: Wir sehen uns vor allen Dingen als Impulsgeberinnen. Mich hat aber am Anfang erstaunt, wie viel Forschung und Wissen zu Machtmissbrauch in der Wissenschaft es eigentlich schon gibt. In Deutschland gibt es das \u00ab<a href=\"https:\/\/www.netzwerk-mawi.de\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.netzwerk-mawi.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Netzwerk Machtmissbrauch in der Wissenschaft<\/a>\u00bb.<sup data-fn=\"d21effad-bd7b-4ed6-bffc-a93b725f4036\" class=\"fn\"><a href=\"#d21effad-bd7b-4ed6-bffc-a93b725f4036\" id=\"d21effad-bd7b-4ed6-bffc-a93b725f4036-link\">2<\/a><\/sup><\/p>\n\n<p>Auch die Bundeskonferenz der Frauenbeauftragten weist schon lange darauf hin, dass die Problematik bei den Frauenbeauftragten nicht gut aufgehoben ist, weil sie keine Weisungskompetenz haben.<sup data-fn=\"52a7c448-70ca-4e85-9f15-ccb2d1b4d2cc\" class=\"fn\"><a href=\"#52a7c448-70ca-4e85-9f15-ccb2d1b4d2cc\" id=\"52a7c448-70ca-4e85-9f15-ccb2d1b4d2cc-link\">3<\/a><\/sup>\u00a0Nat\u00fcrlich sind es wichtige Stellen, denen man sich anvertrauen kann und die individuell hilfreiche Beratung anbieten. Die Frauenbeauftragte kann aber nicht personalrechtlich Einfluss nehmen. Aus Gespr\u00e4chen mit Professor:innen habe ich den Eindruck gewonnen, dass ihnen gar nicht klar ist, dass eine Frauenbeauftragte nicht veranlassen kann, dass jemand entlassen oder ein Disziplinarverfahren eingeleitet wird. Das kann nur der:die Dienstvorgesetzte, also etwa eine gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin, eine Dekanin, eine Unipr\u00e4sidentin oder \u2013 wie im Land Berlin \u2013 eine Wissenschaftssenatorin. Kompetenzfragen bei Entscheidungs- und Personalverantwortung sind oft nicht gekl\u00e4rt bzw. unbekannt. Wann und in welchen F\u00e4llen gibt es eine Melde- oder Reaktionspflicht? Wie ist das Vorgehen? Wie sollte man auf Flurger\u00fcchte reagieren? Sobald es Hinweise auf sexualisierten Missbrauch und \u00dcbergriffe gibt, muss eigentlich immer ein Vorgang zur \u00dcberpr\u00fcfung eingeleitet werden. Da gibt es klare Regeln. Wenn Leute an uns herantreten und fragen, wo sie sich informieren k\u00f6nnen, dann verweisen wir sie an die entsprechenden Websites, Links und Anlaufstellen. Unser Impuls muss sein: Bestehende Strukturen m\u00fcssen besser genutzt werden.<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-0dad6198706a22a8e5fe8c0821f2f631\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Der Fall an der HU Berlin f\u00e4llt unter anderem dadurch auf, dass die Anschuldigungen bis in die sp\u00e4ten 1990er-Jahre zur\u00fcckreichen. Es gab zwar Coping-Strategien, wie etwa \u00abwhisper networks\u00bb, also das hinter vorgehaltener Hand weitergegebene \u00abWissen\u00bb \u00fcber T\u00e4ter. Solche informellen Netzwerke sind wichtig, gleichzeitig greifen sie nur innerhalb von bestimmten sozialen Gruppen und \u00abin den G\u00e4ngen\u00bb. Wo sehen Sie griffige Coping-Strategien, die einen Teil der Last von den Betroffenen wegnehmen k\u00f6nnten? Und wie m\u00fcssen die patriarchal organisierten Machtverh\u00e4ltnisse ge\u00e4ndert werden, dass die Coping-Strategien letztlich \u00fcberfl\u00fcssig werden?<\/p>\n\n<p><strong>Julia Herzberg<\/strong>: Wir m\u00fcssen wegkommen von Coping-Strategien und das Problem systemisch begreifen und strukturell angehen. Unserer Ansicht nach m\u00fcssen wir auf drei Ebenen Massnahmen ergreifen. Das ist erstens die asymmetrische Machtverteilung im Hochschulkontext, die Machtmissbrauch beg\u00fcnstigt. Da spielen auch die engen Befristungsregeln und die Mehrfachabh\u00e4ngigkeiten in Anstellungs- und Betreuungsverh\u00e4ltnissen eine zentrale Rolle. Das bedeutet auch, dass die Abh\u00e4ngigkeit von Empfehlungsschreiben und Gutachten reduziert werden muss. So sollte es etwa m\u00f6glich werden, bei Antr\u00e4gen Personen von Gutachten auszuschliessen. Zweitens sollten Sanktionen als Schutzmassnahme durchgesetzt werden. Machtmissbrauch widerspricht den Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis und ist deshalb zu ahnden. Es ist bekannt, dass Selbstverpflichtungserkl\u00e4rungen bisher wenig zur Pr\u00e4vention von Machtmissbrauch beigetragen haben. Wir m\u00fcssen also die Sanktionierungspraxis st\u00e4rken. Das bedeutet aber auch, dass wir unabh\u00e4ngige Stellen brauchen, die Betroffene beraten und die Verfahren unabh\u00e4ngig f\u00fchren k\u00f6nnen. Daf\u00fcr m\u00fcssen Befugnisse und Ressourcen bereitgestellt werden. Konkret ist unser Vorschlag, diese Anlaufstellen innerhalb von Universit\u00e4ten auf einer h\u00f6heren institutionellen Ebenen anzuordnen. H\u00e4ufig melden Betroffene Vorf\u00e4lle nicht, weil sie die handlungsf\u00e4higen Ansprechpersonen und Stellen nicht kennen. Und drittens schliesslich m\u00f6chten wir Personen, die Machtmissbrauch beobachten, auffordern, solidarisch zu agieren. Wir alle haben eine Pflicht einzugreifen und uns auf die Seite der Betroffenen zu stellen. Das ist f\u00fcr Personen, die selbst abh\u00e4ngig sind, gar nicht so einfach. Hierarchisch strukturierte Abh\u00e4ngigkeiten erzeugen ein Klima der Angst, das Schweigen und Wegschauen f\u00f6rdert. F\u00fcr Personen, die nicht in irgendeiner pers\u00f6nlichen Abh\u00e4ngigkeit stehen, also entfristete Professor:innen, Institutsleiter:innen etc., gilt es, ihre Verantwortung und F\u00fcrsorgepflicht wahrzunehmen. Sie sollten unserer Ansicht nach T\u00e4ter:innen zur Rede stellen und selbst Ver\u00e4nderungen an ihren Institutionen einfordern. Eine unserer konkreten Forderungen ist: Keine Kooperationen mit T\u00e4ter:innen. Und schliesslich m\u00fcssen sich auch die Fachgesellschaften Gedanken machen, wie sie ihre Verantwortung wahrnehmen. Sie sollten dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken und es von sich aus thematisieren. Nach wie vor m\u00fcssen die Betroffenen vor allem selbst handeln. Das darf nicht so bleiben.<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-a94285c7001524dcea750220960642cb\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Wie kann jede:r von uns einen Beitrag leisten?\u00a0<\/p>\n\n<p><strong>Julia Herzberg<\/strong>: Wir d\u00fcrfen uns nicht an den Schweigespiralen beteiligen. Eine Person, die Machtmissbrauch erlebt, ist oft sehr schnell sehr einsam. Deshalb ist es wichtig, ins Gespr\u00e4ch mit Betroffenen zu kommen und ihnen zu versichern, dass das, was sie erleben, auch von anderen als falsch und missbr\u00e4uchlich wahrgenommen wird. Wir m\u00fcssen \u00fcber Vorf\u00e4lle sprechen, wir m\u00fcssen sie benennen und wir m\u00fcssen vor allem auch f\u00fcr die Betroffenen einstehen, die selbst nicht handeln k\u00f6nnen.<\/p>\n\n<p><strong>Kathrin Mei\u00dfner<\/strong>: Ich schliesse mich dem Gesagten an. Da ich selber aus der Perspektive einer Promovierenden auf Machtmissbrauch schaue, m\u00f6chte ich erg\u00e4nzen, dass es gerade f\u00fcr junge Wissenschaftler:innen, aber auch f\u00fcr Studierende, entscheidend ist, dass etablierte Wissenschaftler:innen klarstellen, dass (sexualisierter) Machtmissbrauch nicht geduldet wird, dass es daf\u00fcr keinen Platz gibt. Je weniger man ein Institut kennt, desto vulnerabler ist man. Gerade bei internationalen Austauschstudierenden, Gastwissenschaftler:innen oder Wissenschaftler:innen, die nur assoziiert sind, besteht die Gefahr, dass sie sich weder an Bekannte wenden k\u00f6nnen noch wissen, welche Anlaufstellen existieren. Solche M\u00e4ngel k\u00f6nnen beispielsweise durch strukturierte Mentoring-Formate aufgefangen werden. Letztlich sollten die Informationen aber unterschwellig in jeder Lehrveranstaltung kommuniziert werden. Grundlegend braucht es die r\u00e4umlich wie diskursiv sichtbare Auseinandersetzung mit strukturellen Abh\u00e4ngigkeiten, sodass eine aufmerksame, sensibilisierte und solidarische Arbeitskultur entstehen kann, die Machtmissbrauch vorbeugt.<\/p>\n\n<p><strong>Marie Huber<\/strong>: Wir sehen, dass zurzeit viele Personen aktiv werden wollen. Erwartungsgem\u00e4ss kommt dieses Bed\u00fcrfnis besonders aus dem Mittelbau. Ich bin der Meinung, dass Machtmissbrauch aber immer auch Chef:innensache sein muss. Wenn sich jetzt Arbeitsgruppen und lokale Initiativen bilden, dann sollten die Institutsleiter:innen dabei sein. So wird eine klare und wirkungsvolle Botschaft gesendet. Zudem f\u00fchrt der Dialog zwischen Studierenden, Mittelbauangeh\u00f6rigen, Professor:innen und Institutsleiter:innen dazu, dass unterschiedliche Perspektiven mit in den Prozess einfliessen. Nur so kann eine konstruktive, wirkungsvolle und achtsame Fachkultur entstehen. Es kann auch sinnvoll sein, eine:n externe:n Trainer:in einzuladen. Wir f\u00fchren eine Liste mit Kontakten zu Expert:innen f\u00fcr Missbrauchspr\u00e4vention.<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-b3642b1ff7eae9fb4877092a3747c00b\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Die Initiative ist jetzt mehrere Monate alt. Wir haben dar\u00fcber gesprochen, wie Sie es in k\u00fcrzester Zeit geschafft haben, eine neue \u00d6ffentlichkeit herzustellen und ein altbekanntes Problem zu politisieren. Welche Wirkungen konnten Sie dar\u00fcber hinaus in der Fach\u00f6ffentlichkeit erziehen und wie war die mediale Resonanz auf die Initiative?<\/p>\n\n<p><strong>Marie Huber<\/strong>: Zun\u00e4chst hatten wir ein sehr schnelles Wachstum in den sozialen Medien. Nachdem wir den X-Account gegr\u00fcndet hatten, bekamen wir innerhalb weniger Tage \u00fcber 1.000 Follower. Das war \u00fcberw\u00e4ltigend, hat uns R\u00fcckenwind gegeben und uns ermutigt. Es zeigte sich schnell, dass beim Thema \u00absexualisierter Machtmissbrauch\u00bb ein immenses Austauschbed\u00fcrfnis besteht. Dar\u00fcber hinaus braucht es einen Ort, an dem die aktuelle Berichterstattung zusammengezogen wird und die Auseinandersetzung verfolgt werden kann. Dabei war es uns wichtig, an eine breitere gesellschaftliche Debatte anzukn\u00fcpfen \u2013 darum auch der Hashtag #metoohistory. W\u00e4hrend in anderen Bereichen wie der Unterhaltungsindustrie die Thematisierung von Machtmissbrauch schon etabliert ist, hinkt sie im universit\u00e4r-akademischen Umfeld hinterher. Das erstaunt doch sehr. Mit dem \u00f6ffentlichen Auftreten machten wir uns viele Gedanken \u00fcber unsere Kommunikationsstrategie. Im Hintergrund haben wir intensiv dar\u00fcber diskutiert, wie wir einen bestimmten Post schreiben oder wie wir einen bestimmten Tweet absetzen wollen. So gesehen w\u00fcrde ich es als Erfolg verbuchen, dass wir es mit unserer Kommunikation geschafft haben, dass sich so viele Leute angesprochen gef\u00fchlt und sich getraut haben, sich zu melden. Zugleich sehe ich uns aber nicht als Konkurrenz zu Frauenbeauftragten, anonymen Meldestellen oder Ombudsstellen. Es braucht ein vielf\u00e4ltiges und breites Angebot, das unterschiedlich hoch- und niedrigschwellig ist, so dass sich Betroffene aussuchen k\u00f6nnen, was sich f\u00fcr sie passend anf\u00fchlt.\u00a0<\/p>\n\n<p>Als gr\u00f6ssten Erfolg w\u00fcrde ich aber unsere bereits erw\u00e4hnte Veranstaltung auf dem Deutschen Historikertag 2023 in Leipzig bezeichnen. Wir haben daf\u00fcr relativ kurzfristig eine Diskussionsrunde mit den beiden Vorsitzenden des Historiker:innenverbands, Fachleuten und einer Studierendenvertreterin organisiert. Die Veranstaltung wurde ein Publikumserfolg. Der f\u00fcr unsere Hybridveranstaltung reservierte Seminarraum f\u00fcr 40 Personen war innerhalb von wenigen Minuten \u00fcberf\u00fcllt. Wir mussten kurzfristig in einen grossen Vorlesungssaal f\u00fcr mehrere hundert Personen umziehen. Online haben sich ebenfalls nochmals 170 Personen dazugeschaltet. Wenn man bedenkt, dass der Historiker:innenverband ca. 3.000 Mitglieder hat, waren \u00fcber 10% mit dabei. Auch fachintern erm\u00f6glichte es uns dieser Anlass, zusammen mit dem Psychologen Daniel Leising das Thema im Rahmen eines Podcasts f\u00fcr H-Soz-Kult weiter zu vertiefen.<sup data-fn=\"7dffb3c9-ed92-4af8-8384-a6620192e536\" class=\"fn\"><a href=\"#7dffb3c9-ed92-4af8-8384-a6620192e536\" id=\"7dffb3c9-ed92-4af8-8384-a6620192e536-link\">4<\/a><\/sup><\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-331a9ed19d19d9e0183f8ce630e63e80\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Dazu gleich eine Anschlussfrage: Was den Zuspruch und die Solidarit\u00e4tsbekundungen angeht, verlaufen die eher entlang der Hierarchien? Oder hat der Zuspruch ein Geschlecht?<\/p>\n\n<p><strong>Kathrin Mei\u00dfner<\/strong>: Die Veranstaltung auf dem Historikertag hat uns gezeigt, dass sexualisierter Machtmissbrauch ein Thema ist, welches das gesamte Fach betrifft und umtreibt. Sowohl Studierende als auch Promovierende, Postdocs und Professor:innen haben sich an der Veranstaltung beteiligt oder sind im Nachgang auf uns zugekommen. Es zeigte sich aber auch: Vor allem Frauen haben die Veranstaltung besucht. Das liegt daran, dass Wissenschaftlerinnen st\u00e4rker von sexualisiertem Machtmissbrauch betroffen sind, sich eher mit dem Thema besch\u00e4ftigen und in ihren \u00abwhisper networks\u00bb dar\u00fcber sprechen. Mein Eindruck ist, dass vielen Kollegen die Brisanz des Themas nicht bewusst war. Gerade der Erfahrungsbericht der Studentin auf dem Panel hat diesen Punkt deutlich gemacht.<\/p>\n\n<p><strong>Julia Herzberg<\/strong>: Mein Eindruck war, dass das Thema vor allem Doktorand:innen, Postdocs und j\u00fcngeren Professor:innen am Herzen liegt.<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-a706ef5c701ae4c5e0fd2059aaefaffa\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Bisher ging es um Zuspruch und Solidarit\u00e4ten. Wie sieht es mit der Kehrseite aus? Wer Machtmissbrauch thematisiert, erf\u00e4hrt Gegenwind. Haben Sie auch negative R\u00fcckmeldungen erhalten? Wurden Sie angefeindet?\u00a0<\/p>\n\n<p><strong>Marie Huber<\/strong>: Ich bin ein eher vorsichtiger Mensch und habe mich von Anfang an nicht als Aktivistin verstanden. Uns allen ist es wichtig, dass wir uns nicht auf einzelne F\u00e4lle und Personen einschiessen. Wir wurden im Vorfeld zum Historikertag immer wieder gefragt, ob wir die bislang bekannten konkreten F\u00e4lle thematisieren werden. F\u00fcr uns war klar: Das w\u00e4re ziemlich unangemessen. Wir wollen dem Thema Machtmissbrauch eine \u00d6ffentlichkeit verschaffen. Dagegen kann man eigentlich nichts haben. In den Medien war die Resonanz auf unsere Veranstaltung am Historikertag jedoch gering. Die anwesenden Reporter:innen befassten sich prim\u00e4r mit den Veranstaltungen zur deutschen Erinnerungskultur oder zum Ukrainekonflikt. Einzig der Deutschlandfunk Kultur interessierte sich, wo ich ein Interview geben konnte.<sup data-fn=\"b797561e-9c07-4a82-8a24-5196da05d2f9\" class=\"fn\"><a href=\"#b797561e-9c07-4a82-8a24-5196da05d2f9\" id=\"b797561e-9c07-4a82-8a24-5196da05d2f9-link\">5<\/a><\/sup><\/p>\n\n<p>Neben anerkennenden Randnotizen gab es jedoch auch einen kleinen Meinungsbeitrag in der FAZ, den man als Verriss unserer Veranstaltung bezeichnen kann.\u00a0<\/p>\n\n<p><strong>Claudia Roesch:<\/strong> Pers\u00f6nlich habe ich keinerlei negative \u00c4usserungen, keinerlei Kritik bekommen. Im Vorfeld gab es jedoch ein paar Warnungen aus meinem beruflichen Umfeld, dass ich vorsichtig sein soll, bestimmte Personen nicht vorverurteilen und mich nicht zu Einzelf\u00e4llen \u00e4ussern soll.<\/p>\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-a53bdbfd3faf44a463741f00f1fe120b\"><em><strong>traverse<\/strong><\/em>:\u00a0Zum Schluss interessiert es uns nat\u00fcrlich, wie es weitergehen soll. Was sind die n\u00e4chsten Schritte?<\/p>\n\n<p><strong>Kathrin Mei\u00dfner<\/strong>: Wir verst\u00e4ndigen uns tats\u00e4chlich gerade, wie wir weiterarbeiten wollen und k\u00f6nnen. Wir sind alle berufst\u00e4tig, das Engagement f\u00fcr #metoohistory ist ehrenamtlich. Wir m\u00fcssen uns neben den inhaltlichen Schwerpunkten \u00fcberlegen, wie wir die Arbeiten so erledigen k\u00f6nnen, dass sie sich weiterhin mit unseren akademischen Verpflichtungen vereinbaren lassen. Zudem stellt sich die Frage, welche Infrastrukturen wir brauchen, um als unabh\u00e4ngige Initiative arbeiten k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus gibt es eine Reihe offener Fragen. Wie kommunizieren wir das Thema weiter und erreichen ein breiteres Publikum? Wie positionieren wir uns als Initiative, wie als Einzelpersonen? Wie sichern wir uns rechtlich ab? Welche Expertise k\u00f6nnen wir einbringen, und welche Expertise haben andere? Wie k\u00f6nnen wir uns weiter vernetzen?\u00a0<\/p>\n\n<p><strong>Marie Huber<\/strong>: Zum Schluss m\u00f6chte ich noch auf ein konkretes Resultat unserer Initiative hinweisen. Der Historikerverband hat bei der Mitgliederversammlung in Leipzig die Einrichtung eines fachethischen Ausschusses beschlossen, der sich unter anderem mit Fragen des Machtmissbrauchs besch\u00e4ftigen wird. Das begr\u00fcssen wir sehr. Wir bleiben aber eine unabh\u00e4ngige Plattform, die gegen\u00a0Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt k\u00e4mpft.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<p><strong>Anmerkung der Redaktion<\/strong><\/p>\n\n<p>Hast Du sexualisierte Gewalt erfahren oder bist Du von Machtmissbrauch betroffen? Hier findest Du Anlaufstellen an deiner Hochschule: <a href=\"https:\/\/universities-against-harassment.ch\/\">https:\/\/universities-against-harassment.ch\/<\/a>.<\/p>\n\n<p>Und unter folgendem Link kommst Du direkt auf ein ausseruniversit\u00e4res online-Beratungsangebot: <a href=\"https:\/\/belaestigt.ch\/\">https:\/\/belaestigt.ch\/<\/a>.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"6854b783-84f7-428e-b49d-0d5c1fbed924\"><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/vorwurfe-gegen-dozenten-an-der-hu-berlin-er-fragte-ob-ich-mich-fur-ihn-ausziehen-wurde-10221028.html\u00a0(21.3.2024).\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/vorwurfe-gegen-dozenten-an-der-hu-berlin-er-fragte-ob-ich-mich-fur-ihn-ausziehen-wurde-10221028.html (21.3.2024).<\/a> <a href=\"#6854b783-84f7-428e-b49d-0d5c1fbed924-link\" aria-label=\"Aller \u00e0 la note de bas de page 1\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"d21effad-bd7b-4ed6-bffc-a93b725f4036\">Siehe dazu die Homepage des Netzwerks gegen Machtmissbrauch in der Wissenschaft:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.netzwerk-mawi.de\">https:\/\/www.netzwerk-mawi.de<\/a>\u00a0(20.3.2024). <a href=\"#d21effad-bd7b-4ed6-bffc-a93b725f4036-link\" aria-label=\"Aller \u00e0 la note de bas de page 2\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"52a7c448-70ca-4e85-9f15-ccb2d1b4d2cc\">Siehe dazu das von der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen e.V: (bukof) herausgegebene Positionspapier zu geschlechtergerechter Hochschulpolitik:\u00a0<a href=\"https:\/\/bukof.de\">https:\/\/bukof.de<\/a> (20.3.2024). <a href=\"#52a7c448-70ca-4e85-9f15-ccb2d1b4d2cc-link\" aria-label=\"Aller \u00e0 la note de bas de page 3\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"7dffb3c9-ed92-4af8-8384-a6620192e536\">Machtmissbrauch in der Wissenschaft &amp; metoohistory \u2013 Folge 8 des H-Soz-Kult-Podcasts, in: H-Soz-Kult, 01.10.2023, online zug\u00e4nglich:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.hsozkult.de\/webnews\/id\/webnews-139036\">https:\/\/www.hsozkult.de\/webnews\/id\/webnews-139036<\/a>\u00a0(20.3.2024). <a href=\"#7dffb3c9-ed92-4af8-8384-a6620192e536-link\" aria-label=\"Aller \u00e0 la note de bas de page 4\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"b797561e-9c07-4a82-8a24-5196da05d2f9\"><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/metoohistory-sexuelle-uebergriffigkeit-in-den-wissenschaften-dlf-kultur-d56fc1c7-100.html\u00a0(24.3.2024)\">https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/metoohistory-sexuelle-uebergriffigkeit-in-den-wissenschaften-dlf-kultur-d56fc1c7-100.html (24.3.2024)<\/a> <a href=\"#b797561e-9c07-4a82-8a24-5196da05d2f9-link\" aria-label=\"Aller \u00e0 la note de bas de page 5\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Druckversion ist erschienen in: traverse 2\/2024 Matthias Ruoss und Isabelle Sch\u00fcrch haben f\u00fcr traverse mit Prof. Dr. Julia Herzberg (Leipzig), Dr. Marie Huber (Marburg), Kathrin Mei\u00dfner (Berlin), Janine Funke (Potsdam) und Dr. Claudia Roesch (Konstanz) gesprochen. 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