Reine Wahrheit, Schwarze Körper, schmutzige Worte. Race und Obszönität in der Schweizer Werbung der 1990er-Jahre


Der Artikel untersucht die Passugger-Werbekampagne der 1990er-Jahre, in der Reinheit und Obszönität als moralische Kategorien in der Schweiz öffentlich verhandelt wurden. Im Zentrum der Debatte steht ein TV-Spot der Kampagne, in dem der US-Rapper Coolio mit provokativer Sprache für das Schweizer Mineralwasser warb und damit insbesondere beim älteren deutschschweizerischen Publikum Empörung auslöste. Die Reaktionen verdeutlichen, wie die Sprache eines Schwarzen Rappers mit dem normierten Selbstbild der überwiegend weissen Mehrheitsgesellschaft kollidierte und wie Vorstellungen von Reinheit eng mit dem kollektiven Selbstverständnis einer sauberen, tugendhaften Schweiz verknüpft waren. Zugleich häuften sich in den Beschwerden rassifizierte Zuschreibungen sowie koloniale Kontinuitäten. Die Analyse des Spots eröffnet Einblicke, wie Moral, Reinheitsvorstellungen und kollektive Zugehörigkeit in der Schweiz der 1990er-Jahre ausgehandelt wurden.

English abstract

This article examines the Passugger advertising campaign of the 1990s, during which purity and obscenity were publicly debated as moral categories in Switzerland. The focus is on a TV advert from the campaign in which the US rapper Coolio promoted this Swiss mineral water using provocative language, thereby causing outrage, particularly among the older German-speaking Swiss audience. The reactions illustrate how the language of a Black rapper clashed with the standardised self-image of the predominantly white majority society, and how notions of purity were closely linked to the collective self-image of a clean, virtuous Switzerland. At the same time, the complaints were rife with racialised attributions and colonial continuities. An analysis of the advert provides insights into how morality, notions of purity and collective belonging were negotiated in Switzerland in the 1990s.
Erschienen in: traverse 2026/1, S. 174