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Dienstag, 27. Oktober 2020

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Donnerstag, 30. April 2020

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traverse 2021/2

Auf den Spuren des Nutztiers

Brandrodungen im Amazonas oder die Covid-19-Pandemie sind zutiefst mit unserem Umgang mit sogenannten Nutztieren verknüpft. Während agrar- und umwelthistorische Forschungen zeigen, wie etwa die Viehwirtschaft Naturräume wie die Alpen oder das Mittelland geformt hat, wurden die nutztierlichen Spuren in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen jenseits des Fleisch-Milch-Nexus wenig beachtet. Hier hakt das geplante Themenheft zu Nutztieren und ihrer historischen Bedeutung seit der frühen Neuzeit ein. Unter der kritisch verwendeten Signatur «Nutztiere» diskutieren die Beiträge die Bedeutung von Tieren, die von menschlichen Gesellschaften zu Nahrungs-, Arbeits- und Mobilitätszwecken gehalten und verwendet wurden und die darüber hinaus eine «Ressource» für die (Proto-)Industrie, für Wissenschaft und Medizin oder auch für kultische Handlungen darstellten.

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Vorschau

traverse 2021/3

Fürsorge und Selbstermächtigung

Erscheinungsdatum: Dienstag, 30. November 2021

Unter dem Eindruck der Mobilisierung betroffener Personen haben sich in letzter Zeit zahlreiche historische Untersuchungen mit der Aufarbeitung fürsorgerischer Zwangsmassnahmen, administrativer Versorgungen und Fremdplatzierungen beschäftigt. Diese Arbeiten fokussieren stark auf Zwangsaspekte, rechtliche Rahmenbedingungen und Vollzugseinrichtungen. Der Heftschwerpunkt stellt einen Aspekt ins Zentrum, der bisher noch kaum thematisiert worden ist: die individuellen Strategien der Selbstermächtigung und des Widerstands gegen sozialpolitische Interventionen im Bereich der Fürsorge, der Vormundschaft und des Kinderschutzes. Die Gewährung staatlicher Hilfe oder die Unterstützung verletzlicher oder «gefährlicher» Bevölkerungsgruppen ist bis heute vielfach mit Überwachungs- und Kontrollmassnahmen oder noch weiter gehenden Eingriffen in die persönlichen und politischen Rechte verbunden. Es interessieren die Strategien, die betroffene Personen entwickelten, um mit solchen Eingriffen umzugehen, sich ihnen zu entziehen oder sich gegen Bevormundung zu wehren. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begannen sich sozial schwächere oder benachteiligte Gruppen zu emanzipieren. Stärker als zuvor forderten sie und schufen sie sich Möglichkeiten, um ihre Lebenssituation selbst zu bestimmen und zu gestalten. Indem sie sich individuell und kollektiv engagierten, gelang es ihnen, sich bei Behörden und Institutionen Gehör und Geltung zu verschaffen. Parallel dazu veränderten sich vor dem Hintergrund der internationalen Menschenrechtsdiskussion die Grundlagen der sozialen Arbeit und der Fürsorge. Konzepte wie Autonomie oder Selbstbefähigung zielten darauf ab, Vormundschafts- und Fürsorgedispositive umzugestalten. In jüngster Zeit schliesslich anerkannte der Bundesrat auf Druck der ehemals Versorgten und Fremdplatzierten das begangene Unrecht und leitete einen Wiedergutmachungsprozess ein. Untersucht werden diese vielschichtigen Entwicklungen im Hinblick auf das Selbstermächtigungspotenzial, das öffentliche Anerkennungsprozesse und die damit verbundene Umkehr stigmatisierender Zuschreibungen entfalten können.

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