Neueste Ausgabe
traverse 2022/2
Vormoderne postkolonial?
Die Geschichtswissenschaft belebt sich immer wieder durch Theorieangebote, Ansätze und Konzepte, die von aussen in sie hineingetragen werden. Aktuelle gesellschaftliche Anliegen verändern unseren Blick auf historische Untersuchungsgegenstände und erhellen alte blinde Flecken. In den letzten Jahrzehnten haben in der Neuzeit- und Zeitgeschichte intensive Debatten etwa um postkoloniale und intersektionale Perspektivierungen dazu geführt, das Fach nicht nur zu erweitern, sondern dieses vor allem auch im Hinblick auf seine üblichen Hauptakteure zu dezentrieren. So wird vermehrt auf die koloniale Geschichte der modernen Schweiz hingewiesen, und die Geschlechtergeschichte bezieht weitere Analysekategorien wie «race» und «class» und deren Auswirkungen auf Machtverhältnisse mit ein. Für […]
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traverse erscheint seit 1994.
Die Zeitschrift versteht sich als Forum der Geschichtsforschenden in der Schweiz mit einem Landes- und Fachgrenzen überschreitenden Horizont.

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Von Ägypten nach Saint-Maurice: Der Heilige Mauritius im Wallis

Die Abtei Saint-Maurice im Wallis fristet trotz ihrer 1500-jährigen Geschichte voller transkontinentaler Verflechtungen ein – in postkolonialer Perspektive – kaum beachtetes Dasein in der Schweizer Geschichte (Artikel im HLS). Es könnte jedoch für die aktuelle Forschung äusserst aufschlussreich sein, sich mit der Abtei und der Geschichte des Hl. Mauritius auseinanderzusetzen.

Der Legende nach stammt Mauritius aus Theben im heutigen Ägypten. Als Anführer der Thebäischen Legion soll er bei Agaunum am Ende des 3. Jahrhunderts CE das Martyrium erlitten haben. In den folgenden 200 Jahren entwickelte sich um das Grab und die Reliquien des Hl. Mauritius ein zentraler früher christlicher Wallfahrtsort und 515 initiierte der Burgunder Königssohn Sigismund den Bau des Klosters: Der Heilige aus Theben erwies sich als lokaler Erfolgsgarant. Nach einer 600-jährigen transkulturellen Geschichte, die in St-Maurice Personen, Objekte und Ideen von Byzanz bis Burgund zusammenführte, läutete die 961 durch Otto I. initiierte Überführung der Reliquien des «afrikanischen» Mauritius in den Magdeburger Dom die Provinzialisierung St-Maurices ein. Während der Sigismundschrein im Domschatz von St-Maurice aus dem 12. Jahrhundert den Heiligen als «westeuropäischen» Ritter adaptierte, zeugt die gut sichtbar platzierte Skulptur des Heiligen in Magdeburg von seiner kulturell-visuellen Stereotypisierung im 13. Jahrhundert als Heiligem aus «Afrika» (Abb.).

(I. Schürch)


Vorschau
traverse 2022/3
Saisonarbeiter:innen in der Schweiz. Arbeit, Migration, Fremdenfeindlichkeit und Solidarität
Das 1931 eingeführte Saisonnierstatut war Teil der Schweizer Migrationspolitik und zielte darauf ab, der Wirtschaft eine flexible Handhabung von Arbeitskräften zu bieten sowie den Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung im Land zu begrenzen. Aus historischer Perspektive wirft die Problematik der Saisonarbeiter: innen ein Schlaglicht auf prekäre Arbeitsverhältnisse, aber auch auf Migrationsbewegungen [...]

Erscheinungsdatum: 5. Dezember 2022
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Zum Beispiel: Debatte

In der Rubrik «Debatte» sollen Denkanstösse geliefert werden zu historischen Themen innerhalb und ausserhalb der akademischen Welt. Es sind sowohl Beiträge erwünscht, die sich mit aktuellen Themen auseinandersetzen als auch solche, die strukturelle Fragen diskutieren.

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