Wie Schaufenster unsere Sinne stimulieren. Zur Mechanik einer Suggestivkunst

(Quand les vitrines stimulaient les sens. La mécanique d’un art de la suggestion)

Bevor noch die Entstehung der Konsumgesellschaft konkrete Auswirkungen auf das Alltagsleben zeitigte, hielten in den Schaufenstern der Städte neue Präsentationstechniken Einzug, die auf die Art-Déco-Bewegung der 1920er-Jahre zurückgingen. In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, als langsam wieder Überfluss und Optimimus herrschten, stellten die genau durchdachten Inszenierungen der Auslagen der Großkaufhäuser ein wohlkalkuliertes Glück zur Schau und liessen PassantInnen ein schöneres und besseres Leben imaginieren. Dieser Beitrag untersucht die künstlerischen und wissenschaftlichen Grundlagen der Schaufenstergestaltung, mit denen das plurisensorielle Spektrum der ausgestellten Produkte visuell vorgeführt wurde. Solche Inszenierungen sollten Lust erwecken und gleichzeitig die Frustration vergessen lassen, die durch die mittels der Glasscheibe gewährleistete Distanz zu den verlockenden Szenen im Schaufenster hervorgerufen wurde.

(Übersetzung: Ulrike Krampl)

Erschienen in: traverse 2015/2, S. 105